Kunsthaar

 Das Großmutterthema

 Vaterland

 

 Biografische Serie

 Schriftblätter

 Erste Scherenschnitte

Ein reiches Leben – das Schatzkästlein der Ursula S.

2019

Diese Serie verbindet zwei Erinnerungsobjekte:

Schmuckstücke und Fotografien.

 

Die Schmuckstücke stellen nicht in erster Linie materielle Werte dar, sondern sind mit verschiedenen Lebensphasen verbunden, mit Orten, Personen, historischen Situationen, persönlichen Geschichten, Beziehungen, auch mit Enttäuschungen, Hoffnungen, Aufbrüchen, Erinnerungen.

 

Die Betrachter können sich selbst Geschichten zu den Schatzkästlein vorstellen, eine eindeutige Wahrheit ist nicht notwendig.

Paradiesgärtlein

2018

Scherenschnitte nach dem

„Paradiesgärtlein“, oberrheinischer Meister, 1410, Frankfurt, Städel

 

Dieses kleine Bild gehört seit langem zu meinen Lieblingsbildern im Frankfurter Städel. Das Wunder, dass ganz unterschiedliche Blumen gleichzeitig blühen, dass der böse Drache geschrumpft und tot ist, das unwirkliche Licht, die Unverletztheit aller Pflanzen – all das enthält so ein freundliches, völlig unwahrscheinliches Versprechen, dass ich es gerne genauer ansehe und genieße. Der Baum der Erkenntnis und des Todes ist zwar mit im Bild, aber für einen Moment scheinen Sorgen, Krankheit, Alter und Tod besiegt zu sein.

 

 

Literaturhinweis:

Kleiner Kräutergarten,

Kräuter und Blumen bei den alten Meistern im Städel,

Esther Gallwitz, Insel taschenbuch, 1992

Nun habe ich einzelne Ausschnitte aus dem Paradiesgärtlein herausgenommen und als Scherenschnitte gestaltet.

In der Überfülle an Motiven bilden die einzelnen Pflanzen umrahmte Inseln, die unterschiedliche Formate haben. So bildet die Pfingstrose eine Kreisform, die Rose ein schlankes rechteckiges Hochformat.

Das schwarze Scherenschnittpapier betont die Umsetzung in eine ganz andere Technik mit einer eigenen Ästhetik. Die farbigen Hintergründe lassen an Garten und Licht denken, beschreiben aber keinen konkreten Raum. Der Kontrast zwischen der samtigen Schwärze des Scherenschnittpapiers und den hellen Hintergrundfarben erinnert an Glasfenster.

Die Bearbeitungen der Pflanzenporträts aus einem 600 Jahre alten Bild schlagen eine Brücke zwischen dem vielseitigen Heilsversprechen, die die Pflanzen im Mittelalter als Heilpflanzen und religiöse Symbole vermittelten und der Freude, die sie uns heute geben.

 

 

von wegen

2017

„von wegen“ nennen die drei Wiesbadener Künstler ihre Ausstellung mehrdeutig: Christiane Steitz, Harald Pulch und Konrad Schmidt haben sich auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Materialien dem Thema genähert. Auf dem Weg sein, unterwegs sein, einen Weg finden und seinen Weg machen: Das kann hier sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne betrachtet werden. Christiane Steitz hat Scherenschnitte angefertigt, deren Grundlage Fotos flüchtender Menschen sind. Sie hat aktuelle Pressefotos mit historischem Bildmaterial kombiniert und auch mit Zeichnungen der von ihr betreuten afghanischen Familie Noori. Entstanden sind filigrane, kontrastreiche Bilder, die die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz mit künstlerischen Mitteln wirkungsvoll verdeutlichen.

 

 

 

Harald Pulch hat mit akribischem Blick für Details und Strukturen Wegmarken und Straßenmarkierungen in verfremdender Vergrößerung fotografiert. Verwitterter Asphalt und abblätternde Farben erhalten dadurch verblüffende grafische Wirkungen. Konrad Schmidt schließlich hat sich von Hölzern aus der Natur inspirieren lassen. Er baut „Wanderstöcke“, indem er Äste beklebt, schnitzt, zusammensteckt oder die im Holz enthaltenen Fraßgänge von Insekten als künstlerisches Merkmal benutzt. Diese Fraßwege kombiniert Schmidt mit Landkarten, Stadt- und Straßenplänen und macht das Thema „Weg“ so zu einem tatsächlich „artenübergreifenden“ Symbol. Die drei gut befreundeten und sich gegenseitig inspirierenden Künstler  realisieren ihre erste gemeinsame Ausstellung im KulturForum Hattersheim in der „Galerie im Nassauer Hof“

Einladung/Presse

Kunsthaar

2016

Flyer

Die Frauenfiguren der Serie „Kunsthaar“ sind nicht von dieser Welt. Sie entstehen aus Abbildungen von Kunstwerken, in denen ich nach passenden Farbfeldern suche für die plastischen Haare, die Gesichter und manchmal auch für die Kleidung.

 

 

 

Der Arbeitsprozeß besteht aus einer Mischung von spielerischen und reflektierenden Momenten. Manchmal fühle ich mich wie bei diesem Kinderspiel mit den Anziehpuppen aus Papier, dann wieder prüfe ich, wie die vorhandenen Farbflächen zusammen wirken, mit welcher Komposition ich zufrieden bin. Ich entdecke Ausdrucksqualitäten, die mir bei fiktiven oder realen Frauen schon begegnet sind und versuche, diesen Ausdruck zu verstärken.

Das Geschenk meiner Großmutter

2015

2015 entstand eine heterogene Serie aus sehr kleinen Großelternbildchen. Nun stehen meine Großmutter, meine Eltern als Großeltern und mein Mann und ich als Großeltern neben georgischen und russischen Großmüttern, neben Großeltern und Eltern meiner Freunde und Freundinnen und meinen Freunden und Freundinnen als Großeltern, manche sind sehr viel jünger als ich. Dabei habe ich nicht zwischen biologischen und sozialen Großeltern unterschieden, es ging mir um die Beziehungen zwischen den Personen. Sichtbar werden ganz unterschiedliche Formen von Stolz, Begleitung, Schutz, gemeinsamer Freude.

Die georgischen Großmütter sind  ohne Enkel dargestellt. Sie entsprechen dem Bild meiner bäuerlichen Großmutter.

Die Scherenschnitte in den kleinen Formaten erinnern an Einzeldias, die man in einer Schublade findet, gegen das Licht hält und die plötzlich einen Augenblick lebendig werden lassen, den wir längst vergessen glaubten, der mit seinem Ort, seinem Geruch, seinen Gefühlen, seinem Vorher und Nachher wieder lebendig wird, bis wir das Dia wieder in die Schublade zurück legen.

Sonntagskinder

2014/2015

Die Sonntagskinder sind nach Fotos aus dem Album meiner Großmutter entstanden. Gemeinsam ist diesen Fotos, dass sehr kleine Kinder in komplizierten stark verzierten Kleidchen stecken, in denen sie ziemlich unbeweglich und fremd wirken. Diese Kleidung wurde wohl entweder für die Taufe oder für die Fotosituation angezogen. Sie sollte dazu beitragen, das Kind möglichst kostbar darzustellen.

In den meisten Fällen wirken diese Kleidchen sehr starr, gestärkt, das Kind scheint nicht dazu zu gehören. Ich habe in den Scherenschnitten die Spitzen, Falten und Rüschen betont, sie mit etwas Abstand vor einem Aquarellbild des Kindes angebracht. Die Pracht löst sich nun noch stärker vom Kind. Die Kostbarkeit bleibt erhalten, der Unterschied zwischen Kind und Kleid wird deutlicher.

Gartenbilder

2014

 

Im Juli 2014 wurde ich Großmutter. Als ich begann, mich damit zu beschäftigen, fiel mir auf, dass das Bild, das ich aus meiner Kindheit in mir trug, nur sehr wenig damit zu tun hatte, wie ich all die Großmütter in meiner Umgebung wahrnahm. Ich merkte, dass ich erstaunlicherweise beim Thema Großmutter eher an meine Großmutter dachte als an mich als Großmutter.

Ich besitze das Fotoalbum meiner Großmutter mit Fotos, die auch meine Urgroßeltern und die Ur-Ur-Großeltern zeigen und probierte verschiedene Möglichkeiten aus, diese mit meinen Assoziationen zu verbinden.

Daraus entstanden 2014/2015 auch die „Sonntagskinder“.

Vaterland

2014/2015

 

Parallel zur Arbeit am Großmutterthema begann ich Zeitungsfotos von Kriegen, Zerstörung und Flucht in Scherenschnitten zu bearbeiten. Die Fotos erschienen mir als Bilder, die weit über die Darstellung einer konkreten Situation hinausgingen und eher  grundsätzlich auf die Fragilität aller Sicherheiten verwiesen.

Durch die Bearbeitung als Scherenschnitt werden konkrete geografische und politische Bezüge nicht mehr sichtbar, die Gebäude und auch die Menschen sind nicht mehr einer bestimmten Region oder historischen Situation zuzuordnen. Die Darstellungen werden allgemeiner.

Harald

2013

Bei den biografischen Serien erlebte ich, dass ich während der Umsetzung von Fotos in Scherenschnitte einerseits die Besonderheiten des Einzelfotos und der bearbeiteten Biografie sehr genau wahrnahm, dass es andrerseits auch Eckpunkte in den Biografien gibt, die in verschiedenen Variationen immer

wiederkehren und gerade durch die kleinen Unterschiede auf die persönlichen und historischen Unterschiede verweisen. 2011 und 2012 entstanden mehrere Serien: Meine Mutter, Uwe, Harald und Jule

Jule

2012

Uwe

2011

Meine Mutter

2010

Nach der Pensionierung hatte ich Zeit und begann die alten Alben durch zu sehen, mich mit meiner Kindheit und mit dem Leben meiner Mutter auseinanderzusetzen. Dabei war meine Frage immer, ob ich Fotos finde, die mit meiner emotionalen Erinnerung übereinstimmten, die mir charakteristisch erschienen, die etwas von der Struktur dieses Lebens, dieser Beziehungen wiedergeben.

Dabei konnte ich vieles weglassen, was mir nebensächlich erschien. Details, die mir bedeutsam erschienen, wie das Muster eines Kleides konnte ich betonen.

 

Väter auf Erden

2015

 

Schriftblätter

2012

Schon lange vor dem Beginn der Scherenschnitte habe ich Worte, die mich begleiteten, wiederholend mit der Rohrfeder dicht und übereinander in verschiedenen Richtungen geschrieben. Manche dieser Schriftblätter habe ich in Scherenschnitte umgesetzt. Sie ergeben eine Struktur, in der die Worte eher verborgen sind als lesbar werden. Die Inhalte sind zwar unsichtbar, mir aber trotzdem wichtig. Oft sind es Zitate, die mich eine Zeitlang begleiten, es können Seufzer sein oder Wegweiser oder

 

Feststellungen. Ich lasse mich von ihnen begleiten, ich halte mich durch die wiederholende Schreibweise an ihnen fest. Sie gehören zu meiner Struktur, sind jedoch nicht als einleuchtende  Botschaften erkennbar und leicht lesbar. Sie bilden eher eine Spur, die in der Schreibbewegung nachvollziehbar wird.

60. Geburtstag

2009

Mit den Scherenschnitten begann ich nach dem Fest zu meinem 60. Geburtstag. Ich hatte Fotos meiner Gäste vergrößert, die zeigten, an welcher Stelle unsere Biografien sich berührten.

Ich hatte das Gefühl, auf eine Sammlung voller kostbarer Momente zurückzublicken, die ich in ihrer Vergänglichkeit akzeptieren wollte, die ich aber gleichzeitig in irgendeiner Weise durchdringen wollte. In meinem Beruf hatte ich trainiert, Gemälde und Fotos zu analysieren und nun erschienen mir meine eigenen Familienfotos nicht nur als Erinnerung an schöne Augenblicke, sondern auch als Bilder, in denen die folgenden Beziehungen schon enthalten waren.

Im Rückblick auf immerhin 6 Jahrzehnte meines Lebens suchte ich nach einer diffusen Form von Essenz und fand sie darin, dass ich die Fotos meiner Lieben auf Tuschelinien reduzierte, ausschnitt und mit Farbcollagen kombinierte. Das Ergebnis waren Blätter, die mich an die Rippen vergangener Magnolienblätter erinnerten, die die Struktur sehr deutlich wiedergeben, obwohl der lebendige Moment vergangen ist.

KunstkollegInnen

2011

Hans-Jürgen Fulland fragte, ob ich mich an der Ausstellung der ehemaligen und aktiven Kunstlehrerinnen der Martin-Niemöller-Schule beteiligen wolle. Ich hatte inzwischen 13 Jahre an der IGS Kastellstraße gearbeitet und war frisch pensioniert. So war meine Beziehung zur Martin-Niemöller-Schule etwas nostalgisch; ich hatte dort 17 produktive und spannende Jahre verbracht. Vieles hatte sich verändert. Für die Ausstellung machte ich dann Scherenschnitte aller ehemaligen und aktiven KunstlehrerInnen seit der Gründung der Martin-Niemöller-Schule.

Ich wollte die Erinnerung an die Aufbruchszeiten aktivieren und gleichzeitig zeigen, wie flüchtig diese Momente sind. Unsere Erinnerung macht die Vergangenheit etwas märchenhaft, es wird immer unklarer, was Fiktion ist und was historische Fakten sind. Die Porträts wurden wie eine Schmetterlingssammlung mit Abstand auf einem Untergrund befestigt, so dass sich das Papier bewegen konnte und die Scherenschnitte noch fragiler wirkten.